Wenn man bedenkt, dass fast 80% der Aggressionen bei Hunden aus Schmerzen resultiert, sollte man auch mal über ein Brustgeschirr nachdenken. Der Hund kann nicht sagen, “ich habe Kopfschmerzen”, wenn er permanenten Leinenruck erfährt, aus welchem Grund auch immer das geschieht. Der Hund äußert dieses Unwohlsein auf seine Art, die einzige, die ihm bleibt, und wird allzuoft falsch interpretiert.
Der Hals des Hundes ist zuständig für die Kommunikation unter Hunden, so ist z.B. der seitliche Halsbereich den befreundeten Hunden vorbehalten. Dieser Halsbereich ist besonders empfindlich. Beobachtet man junge Welpen, die an der Leine hin- und hergezerrt werden, stellt man fest, dass sie überhaupt nicht verstehen, was mit ihnen geschieht, weil permanent Druck und Schmerz erzeugt wird. Es kann einfach nicht sein, dass geschmackliche Vorlieben des Halters zu Lasten der Hunde gehen. Es gibt daher keine Alternative zu einem Brustgeschirr.
Lesen sie deshalb nachfolgende Untersuchungen zu diesem Thema.
Untersucht wurde das Verhalten von 10 Hunden bei der Begegnung mit anderen Hunden. Es wurden pro Hund 10 Begegnungen dokumentiert, womit die Daten von 100 Hundebegegnungen zur Verfügung standen.
Die Dokumentation erfolgte durch die Hundebesitzer, die bei jeder Begegnung einen vorgefertigten Fragebogen ausfüllten, so dass jeweils die gleichen Beurteilungskriterien vorlagen. Beurteilt wurde das Verhalten der Tiere untereinander bei einem Abstand von 10 Metern.
Bei der Auswertung wurde das Hauptaugenmerk auf die visuelle Kommunikation der Hunde unter Einwirkung der Leine gelegt. Ebenfalls wurden die physischen sowie psychischen Veränderungen von angeleinten Hunden sowie deren Auslöser erörtert.
Physiologische Veränderung:
Wie verändern sich Hunde physiologisch wenn sie an der Leine gehalten werden?
Hunde verständigen sich untereinander vor dem ersten Kontakt visuell. Hierbei tauschen Sie schon Informationen (optische Einschätzung des Gegenübers) aus.
Die Körpersprache signalisiert, wie das Aufeinandertreffen ablaufen soll bzw. muss. Es werden normalerweise schon visuell Rangordnungsfragen (Auswertung der Körpersprache und Mimik zur Klärung der Durchsetzbarkeit der eigenen Ansprüche) geklärt, die Hunde kommunizieren.
Durch das Kurzhalten (Verkürzung der Halter-Hund-Distanz) wird aber die Körpersprache des Hundes schon stark verändert, der Hund kann sich gar nicht mehr äußern, er wird in eine Körperposition gebracht, welche vielfach nur einen Schluss für den entgegen kommenden Hund zulässt. “Ich muss mich vorbereiten, der andere ist bereit zu kämpfen!”
Im einzelnen verändert sich der Körper wie folgt:
Der Hund will nach vorne, wird aber gestoppt mit dem Halsband.
Ergebnis: Der Hund strotzt vor Kraft und richtet sich auf.
Die gesamte Kopfpartie richtet sich auf, der Hals steht steiler und der Hund wirkt größer.
Der Brustkorb kommt nach vorne, wird breit und die Vorderhand geht etwas auseinander.
Die Muskulatur im Rumpf spannt sich an.
Die Öffnung der Ohren zeigt meist nach vorne, die Augen werden groß (teilweise auch durch den Sauerstoffmangel beim Ziehvorgang, der Hund würgt sich selber, nicht zu verwechseln mit der Pupillenerweiterung im Ausdruck des defensiven Drohens, bzw. der Angst) und der andere Hund wird fixiert, denn da will er ja hin.
Das Rückenfell sträubt sich.
Eine Beurteilung der Situation über die Rutenhaltung kann hier nur individuell erfolgen, da die Rutenhaltung rasseabhängig, und somit nicht pauschalisierbar angewendet werden kann.
Der Hund strahlt hier also absolute Kampfbereitschaft / Verteidigungsbereitschaft und gegebenenfalls Dominanz aus, bedingt durch die Vorwärtsbewegung des Hundes und die “Stop”- bzw. Rückwärtsbewegung des Halters, die auf den Hund durch das Halsband übertragen wird.
Es besteht für den Hund keine – für den anderen Hund eindeutige – Möglichkeit sich zu unterwerfen bzw. Beschwichtigungssignale auszusenden!
Quelle: vetcontact
Dazu kommt auch noch ein gesundheitlicher Aspekt:
ZIEHEN AM HALSBAND ERHÖHT DEN AUGENDRUCK SIGNIFIKANT
Eine äußerst wichtige Untersuchung für alle Hunde, die stark am Halsband ziehen und die womöglich aufgrund ihrer Rasse oder Anatomie zum Glaukom neigen: Der intraokuläre Druck wird bei Zug am Halsband kurzfristig massiv erhöht, wie diese brandneue Untersuchung zeigt. Der dringende Rat: Brustgeschirr – so wird der IOP nicht verändert!
Bei 51 Augen von 26 Hunden wurde der intraokuläre Druck (IOP) von Hunden, die an Halsband oder Brustgeschirr zogen, gemessen. Der Druck, mit dem der jeweilige Hund gegen Halsband bzw. Brustgeschirr zog, wurde zunächst ermittelt.
Der IOP wurde gemessen, während der individuell ermittelte Druck einwirkte.
Der IOP stieg signifikant, wenn der Hund massiv gegen das Halsband, nicht aber, wenn er gegen das Brustgeschirr zog.
Basierend auf diesen Resultaten wird dringend empfohlen, Hunde mit schwacher oder dünner Cornea, Glaukom oder Erkrankungen, für die eine Erhöhug der IOP fatal wäre, nur noch am Brustgeschirr statt am Halsband zu führen. Das gilt besonders während der “Arbeit” oder beim Spaziergang.
Quelle: Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs. In: Journal of the American Animal Hospital Association 42:207-211 (2006)
Hallo, die Brustgeschirrdebatte würde mein Hund (Parson Russel Terrier) ganz einfach dadurch stoppen, indem er sie alle vernichten würde. Er verkriecht sich sobald er eines sieht. Obwohl er es nur mit tollen Erlbnissen verbindet. Langlaufen, Berggehen, Skitour, Rodeln… Und er ist in keinster Weise ängstlich. Aber Brustgeschirr geht gar nicht.
Lg Moni + Bono (wuff)
Hallo Moni, danke für den Kommentar. Es kommt darauf an, wie alt Ihr Hund ist. Wie lange trägt er schon Halsband?
Es gibt Möglichkeiten, den Hund an ein Brustgeschirr zu gewöhnen. Das kann durchaus etwas länger dauern
Den Inhalt des Berichts über Probleme, die beim Halsbandtragen und seinem oft falschen Umgang damit entstehen können, muss ich jetzt nicht wiederholen,
aber ich möchte einfach mehr Werbung für das Geschirr machen und die Leute sensibilisieren für dieses Thema.
Ich denke, dass es für viele auch immer noch einen ästhetischen Grund hat, leider…
Viele Grüße
Jürgen Latzke
Pings: